Unser letzter Tag in Irland ist angebrochen! Und – einen Geburtstag gibt es zu feiern …
Am Morgen beeile ich mich, um unbedingt VOR Pongo bereits im Frühstückszimmer zu sein. Ich erzähle unserer Zimmerwirtin, dass Pongo Geburtstag hat. Als Pongo dann erscheint trällern die Zimmerwirtin und ich ein fröhliches “Happy Birthday” bei Kerzenlicht und Blümchen und Küsschens.
Bereits am Vortag haben wir uns schlau gemacht und versucht, für unseren geplanten Ausflug nach Newgrange ein Transportmittel zu finden. Das Auto haben wir ja nicht mehr.
Im Touristoffice hat Pongo auf einem Folderständer ganz zufällig eine Möglichkeit gefunden, von der man uns am Desk nichts erzählt hat. Noch dazu ist das die günstigste Art dahin zu kommen ohne einen ganzen Tag in einem großen Bus mit vielen Leuten sitzen zu müssen und dafür auch noch viel Geld zu bezahlen.
Um eine bestimmte Uhrzeit muss man an der O’Connell Street, Nähe der Parnell Street warten bis ein Kleinbus – in der Art eines Sammeltaxis – kommt und die Fahrt kann beginnen! Eine gute Stunde ist Newgrange von Dublin entfernt. Es ist eine Wohltat, außerhalb Dublins die schöne irische Landschaft wieder zu sehen.
Dass es die letzten Tage immer wieder, manches mal auch sehr heftig geregnet hat habe ich gar nicht mehr erwähnt. Das kann einem halt so passieren. In Irland.
Jeh mehr wir uns dem Boyne Valley (zwischen Belfast und Dublin gelegen) nähern, um so grösser werden die Wasserpfützen auf der Strasse. Schon nahe am Ziel mussten wir mal ganz, ganz langsam fahren um festzustellen, ob wir den kleinen See auf der Strasse überhaupt durchfahren können. Es ist schon etwas mulmig wenn man beobachtet, wie das Wasser auf der Strasse bereits die erste Stufe des Kleinbusses im Wageninneren überflutet … Aber es ist alles gut gegangen. Am Rückweg nehmen wir dann eine andere Route.

Im Tal des River Boyne liegt die Wiege der irischen Zivilisation. Die Königsgräber im Boyne Valley werden von Archäologen auf rund 5000 Jahre datiert. Weltberühmt ist die großartige Megalithanlage von Newgrange. Zwei weitere stehen ganz in der Nähe, bei Knowth und Dowth.
Das ist nun tatsächlich noch ein wirkliches Highlight unserer Reise!

1962 lag dieses Kleinod der Archäologie noch unter einem Erdhügel, der sich kaum von der Umgebung unterschied. Die Ausgrabungen waren in den 70er Jahren beendet. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten folgten. 150 prähistorische Ganggräber sind in Irland derzeit bekannt.
Newgrange besteht aus einem herzförmigen Stein- und Erdhügel (Cairn) von über 90 m Durchmesser und fast 11 m Höhe. Liegende Steine als Fundament verhindern das Abrutschen der Überdeckung. An der Front wir der Hügel von weissen, weithin sichtbaren Quarzsteinen eingefasst. 97 Felsblöcke umgeben wie ein Wall die Megalithanlage. Diese Begrenzung wurde rekonstruiert.

Im Südosten markiert ein spiralverzierter Steinblock den Eingang. Der Gang ins Zentrum – von 43 Stück 1,50 und 2,40 m hohen Sandsteinen und darüber liegenden Deckensteinen gebildet - ist 19 m lang und nur 1 m breit. Zeitweise muss man sich bücken, den Rucksack sollte man abnehmen um durch den schmalen Gang ins Innere zu gelangen.
Zur Wintersonnenwende gelangt durch die Öffnung oberhalb des Einganges 17 Minuten lang Licht in die Grabkammer. Die verzierten Steine flammen auf, der Boden reflektiert das Licht und erleuchtet kurz den hintersten Winkel. Dieses Phänomen wird – zwar künstlich – aber nicht minder eindrucksvoll, bei der Führung vorexerziert.
Das Gewölbe der Hauptkammer ist 6 m hoch. Diese Kragkuppel wurde 3200 v. Chr. mit einer solchen Präzesion errichtet, dass selbst nach langem Regen kein Wasser Einlass findet. Auch war in diesem Bereich keinerlei Restaurierung notwendig.
Drei Seitenkammern bilden einen kreuzförmigen Grundriss. Asche- und Knochenreste entdeckte man von insgesamt etwa 5 Menschen in flachen Steinschalen. Waren es Könige oder Priester? Eindrucksvolle Ornamente, Spiralen, Rauten, Schlangenlinien verzieren viele Steine.
Ein – in dieser Qualität erhaltenes Ganggrab habe ich noch nicht gesehen. Wenn ich VOR – oder wenn ich die Möglichkeit habe – IN einem solchen Schatz der Vergangenheit stehen zu dürfen, entsteht in mir immer so ein grosses Gefühl von Ehrfurcht und Dankbarkeit. Da möcht ich nur mehr schauen und versuchen, die Energie zu spühren, zu fühlen. Und dann kommt der Gedanke – und ich darf da stehen. Wow ….
Zurück in Dublin besuchen wir das National Museum. Dieses liegt etwas ausserhalb und so benutzen wir auch noch die neue, hochmoderne Strassenbahn. Beim Betreten des grossen Innenhofes sehen wir eine Gruppe schöner Mädchen / Frauen die für ein gemeinsames Foto possieren. Wir erfahren, dass das ein weltweiter Bewerb ist, die “schönste Frau” zu küren. Das aber nicht im Sinne von äusserlich schön, sondern, dass sie viele gute und schöne Eigenschaften als Frau besitzt.
Die Schaustücke im National Museum sind sehr interessant. Hier findet man aus frühchristlicher Zeit den wundeschön verzierten Kelch von Ardagh, die berühmte Tara-Brosche und das Kreuz von Cong.
Am Weg zum National Museum plaudern wir mit einem Iren der uns unter anderem erzählt, dass es zur Zeit Gespräche gibt, die Erzeugung der weltberühmten irischen Guinness-Brewery nach England zu verlegen. Ich hoffe, man sieht davon ab. Ich bin mir nicht sicher, ob DAS die Iren nach all den schweren Schicksalschlägen, die ihnen von den Briten im Laufe der Geschichte zugefügt wurden, verkraften könnten!
Den letzten Abend beschliessen wir in einem sehr netten Lokal im Temple Bar District wo wir noch gebührend Pongos Geburtstag feiern. Wie könnte es anders sein, treffen wir beim Schlendern durch die typische Lokalszene das Ehepaar aus Klosterneuburg. Ein letzter netter Plausch und frühmorgens geht es wieder ab, nach Hause!
Da hast Du viel Info rausgefischt, Franziska!
Ja, und es hat unendlich viel Spaß gemacht!
Ich hatte beim Schreiben immer wieder das Gefühl, die Reise nochmals zu tun. Vieles habe ich eigentlich im Detail erst zu Hause entdeckt …